• Carsten Reineke

Homeoffice bei Grenzgängern in die Schweiz

Aktualisiert: Mai 27






Hallo und guten Tag,

heute geht es um die Frage der Besteuerung bei einer Tätigkeit für einen schweizer Arbeitgeber vom Homeoffice in Deutschland aus.

In den letzten Wochen habe ich hierzu besonders viele Anfragen erhalten, daher möchte ich in diesem Video einige dieser Fälle erläutern.

Nach dem Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz gibt es die folgenden Möglichkeiten:

Der Arbeitnehmer ist Grenzgänger in die Schweiz

Grenzgänger sind Arbeitnehmer, die in Deutschland wohnen, in der Schweiz arbeiten und dabei regelmäßig täglich an Ihren Wohnort in Deutschland zurückkehren.

Als steuerliche Folge werden die Einkünfte des Grenzgängers in Deutschland besteuert. In der Schweiz wird lediglich eine Quellensteuer in Höhe von höchstens 4,5% einbehalten, die auf die deutsche Steuer angerechnet werden kann.

Auch wenn der Arbeitnehmer nicht täglich pendelt, wird er nur nicht als Grenzgänger behandelt, wenn:

der Arbeitnehmer berufsbedingt an mehr als 60 Tagen im Kalenderjahr nicht an seinen Wohnort zurückkehrt.

oder

der Arbeitnehmer sich nicht mindestens an einem Tag pro Woche oder fünf Tagen pro Monat von seinem Wohnort in Deutschland an seinem Arbeitsort in die Schweiz und zurück begibt.

Beispiel:

Ein Arbeitnehmer pendelt an einem Tag in der Woche in die Schweiz zu seinem Arbeitgeber und zurück. Die übrige Zeit arbeitet er im Homeoffice in Deutschland.

Die Einkünfte werden in Deutschland besteuert, da der Arbeitnehmer als Grenzgänger gilt. In der Schweiz kann eine Quellensteuer von höchstens 4,5% erhoben werden, die auf die deutsche Steuer angerechnet werden kann.

Entfällt die Grenzgängereigenschaft hat grundsätzlich der Ansässigkeitsstaat, also Deutschland, das Besteuerungsrecht außer die Tätigkeit wird in der Schweiz ausgeübt.

Neues Beispiel (Homeoffice aufgrund COVID 19 (Corona):

Ein Arbeitnehmer arbeitet grundsätzlich von Dienstag bis Freitag im Homeoffice und am Montag in der Schweiz. An diesem Tag pendelt er.

Aufgrund der COVID 19 Krise arbeitet der Arbeitnehmer aber vom 1. April bis 31. Mai aber ausschließlich im Homeoffice.

Auf das Kalenderjahr bezogen wird die Mindestzahl von Pendelbewegungen (d.h. hin und zurück) über die Grenze (eine pro Woche oder fünf im Monat) unterschritten. Der Arbeitnehmer gilt nicht mehr als Grenzgänger. Ist dies nicht mehr der Fall, so ist das Besteuerungsrecht aufzuteilen (Tätigkeit in der Schweiz Besteuerung in der Schweiz, Tätigkeit außerhalb der Schweiz = Besteuerung in Deutschland). (Siehe auch: https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/2020-04-01-FAQ_Corona_Steuern_Anlage.pdf?__blob=publicationFile&v=8).

Beispiel:

Ein Arbeitnehmer arbeitet grundsätzlich von Montag bis Mittwoch im Homeoffice und Donnerstag und Freitag in der Schweiz. Da die Rückkehr nach Hause nicht möglich ist, übernachtet er von Donnerstag auf Freitag in der Schweiz. Außerdem übernachtet er wegen Dienstreisen ins außereuropäische Ausland an 20 Tagen nicht zuhause.

Die Schweiz hat das Besteuerungsrecht für die Tage, die der Arbeitnehmer in der Schweiz arbeitet. Für alle übrigen Tage, einschließlich der Dienstreisen, hat Deutschland das Besteuerungsrecht.


Ausnahmen (für den Fall, dass der Arbeitnehmer kein Grenzgänger ist):

Leitenden Angestellte, die im schweizer Handelsregister eingetragen sind.

Beispiel:

Ein Arbeitnehmer arbeitet grundsätzlich von Montag bis Mittwoch im Homeoffice und Donnerstag und Freitag in der Schweiz. Da die Rückkehr nach Hause nicht möglich ist, übernachtet er von Donnerstag auf Freitag in der Schweiz. Außerdem übernachtet er wegen Dienstreisen ins außereuropäische Ausland an 20 Tagen nicht zuhause. Er ist als Geschäftsführer im schweizer Handelsregister eingetragen und nicht nur für Aufgaben außerhalb der Schweiz zuständig.

Die Schweiz hat das alleinige Steuerrecht. In Deutschland spielen die Einkünfte nur für die Festlegung des Steuersatzes (von in Deutschland steuerpflichtigen Einkünften) eine Rolle (Progressionsvorbehalt).

Öffentlicher Dienst

Beispiel:

Ein Arbeitnehmer (schweizer Staatsangehöriger, der in Deutschland wohnt) arbeitet in einer Gemeindeverwaltung (öffentlichen Dienst) in der Schweiz. Von Montag bis Dienstag arbeitet er im Homeoffice in Deutschland und von Mittwoch bis Freitag in der Schweiz. An diesen Tagen übernachtet er in der Schweiz da eine Rückkehr nicht möglich ist.


Die Schweiz hat das alleinige Besteuerungsrecht. In Deutschland spielen die Einkünfte nur für die Festlegung des Steuersatzes (von in Deutschland steuerpflichtigen Einkünften) eine Rolle (Progressionsvorbehalt). Dies gilt aber nur, wenn der Arbeitnehmer nicht deutscher Staatsangehöriger oder deutscher und schweizer Staatsangehöriger ist.

Sonstige nicht steuerliche Probleme beim Homeoffice

Angestellte eines schweizer Unternehmens werden von diesen oft wie schweizer Arbeitnehmer dem schweizer Sozialversicherungsrecht unterworfen.

Ist der Arbeitnehmer aber nicht nur unwesentlich, d.h. zu 25% oder mehr in Deutschland tätig, gilt das deutsche Sozialversicherungsrecht. Dies wäre z.B. bei einer Tätigkeit von 2 Tagen in der Woche im Homeoffice in Deutschland der Fall. Der Arbeitgeber sollte in jedem Fall unbedingt eine A1 Bescheinigung beantragen.


Links hierzu:

https://www.dvka.de/de/arbeitgeber_arbeitnehmer/antraege_finden/gewoehnliche_erwerbstaetigkeit_mitgliedstaaten/gewoehnliche_erwerbstaetigkeit_mitgliedstaaten.html

https://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=851&langId=de





#Grenzgänger#GrenzgängerDeutschlandSchweiz#internationalesStreuerrecht#Doppelbesteuerungsabkommen#DeutschlandSchweiz#SteuerberaterReineke#Homeoffice



47 Ansichten

© 2018 by Carsten Reineke created with Wix.com