• Carsten Reineke

Schweizer Pensionskasse im deutschen Steuerrecht

Aktualisiert: 4. Sept 2019



I. Grundlagen



Die schweizer Altersversorgung besteht aus drei Säulen.


Die erste Säule ist die AHV / IV (Alters- und Hinterbliebenenversicherung / Invalidenversicherung). Sie entspricht in etwa der deutschen gesetzlichen Rentenversicherung.


Die zweite Säule ist die Pensionskasse, mit der wir uns im Weiteren näher beschäftigen.


Bei der dritten Säule handelt es sich um private Vorsorge. Sie ist nicht mit deutschen Rentenversicherungen vergleichbar. Die steuerliche Behandlung in Deutschland hängt von der Art der Anlage ab. Die Beträge sind grundsätzlich aber steuerpflichtiger Arbeitslohn


Die 2. Säule, also die Pensionskasse lässt sich in zwei Teil aufteilen. Die Säule 2a das sog. Obligatorium wird durch ein schweizer Bundesgesetz bestimmt. Sie wird wie die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland behandelt.


Die Säule 2b ist das Überobligatorium. Dieses wird durch die Pensionskasse festgelegt und entspricht in Deutschland einer privaten Rentenversicherung.



II. Beiträge



Arbeitnehmerbeiräge in das Obligatorium sind im Bruttolohn und den Einkünften aus nicht selbständiger Arbeit enthalten und werden, wie Beträge in die deutsche gesetzliche Rentenversicherung, im Rahmen der Altersvorsorgeaufwendungen als Sonderausgaben teilweise abgezogen.


Arbeitgeberbeiträge in das Obligatorium sind steuerfrei bis zu dem Betrag, den der Arbeitgeber als Beitrag zur deutschen gesetzlichen Rentenversicherung zahlen müsste. Die übersteigenden Beiträge sind steuerpflichtiger Arbeitslohn.


Arbeitnehmer und Arbeitgeberbeiträge in das Überobligatorium sind steuerpflichtiger Arbeitslohn.


Die schweizer Pensionskasse sollte über die Beiträge eine Bescheinigung ausstellen.


Alterssparbeiträge nach dem schweizer BVG und Risikobeiträge in Höhe von 2% des koordinierter Lohns nach BVG (je 1% für Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge werden als obligatorische Beiträge bescheinigt.


Von den evtl. nicht als obligatorisch oder überobligatorisch bescheinigten Beiträgen gehören die Verwaltungskostenbeiträge und alle weiteren Beträge, z.B. Sanierungs- und Stablisierungsbeiträge zu den obligatorischen Beiträgen.


Alle übrigen Beiträge gelten als überobligatorische Beiträge.


Erfassung in der Steuererklärung:


In der Anlage Anlage N-Gre 2018 sind die Beiträge wie folgt einzutragen:


In Zeile 18 die Beiträge des Arbeitgebers ins Überobligatorium

In Zeile 91 die Beiträge des Arbeitnehmers ins Obligatorium

In Zeile 94 die Beiträge des Arbeitgebers ins Obligatorium



III. Auszahlungen


Rentenauszahlungen aus dem Obligatorium werden wie Auszahlungen aus der deutschen (gesetzlichen) Rentenversicherung behandelt. Die Höhe der Besteuerung hängt vom Jahr des Renteneintritts ab, z.B. bei einem Renteneintritt im Jahr 2019 werden 75%, bei einem Renteneintritt im Jahr 2031 werden 91% der Rentenzahlung versteuert.


Eine Ausnahme gilt für Auszahlungen, die auf vor dem 01.01.2005 gezahlten Beiträgen beruhen. Dies gilt unter der Voraussetzung, dass diese Beiträge

Oberhalb des gesetzlichen Höchstbetrages zur deutschen Rentenversicherung lagen und dies für mindestens 10 Jahre der Fall war.

Dann werden die Auszahlungen (die auf diesen Beiträgen beruhen) auf Antrag nur mit dem Ertragsanteil (wie Zahlungen aus dem Überobligatorium) besteuern.


In der Einkommensteuererklärung sind die Rentenzahlungen aus dem Obligatorium in der Anlage R zu erfassen.


In Zeile 4 / Kennzahl 100 muss eine „9“ eintragen werden

In Zeile 5 / Kennzahl 101 ist der Rentenbetrag im Jahr (in EUR) zu erfassen.


Rentenzahlungen aus dem Überobligatorium werden wie Auszahlungen aus einem privaten Rentenversicherungsvertrag mit dem Ertragsanteil abhängig vom Alter beim Rentenbeginn besteuert, z.B. bei Rentenbeginn im Alter von 65 Jahre werden 18% der Auszahlungen versteuert.


In der Einkommensteuererklärung sind auch die Rentenzahlungen aus dem Überobligatorium in der Anlage R zu erfassen.


In Zeile 14 / Kennzahl 130 eine „9“ eintragen

In Zeile 15 / Kennzahl 131 den Rentenbetrag im Jahr in EUR

In Zeile 16 / Kennzahl 132 den Rentenbeginn


Vorabbezüge, z.B. Einmalauszahlungen, aus dem Obligatorium einer schweizer Pensionskasse werden so wie Rentenzahlungen behandelt und sein in der Einkommensteuererklärung in der Anlage R auch so zu erfassen.

Vorabbezug aus dem Überobligatorium unterliegen mit dem Zinsanteil der Besteuerung. Falls keine andere Ermittlung des Zinsanteil vorliegt, mit dem Unterschied zwischen Auszahlung und den entsprechenden Einzahlungen in die Pensionskasse.


Eine Ausnahme besteht bei einem Vorabbezug, wenn der Beitritt zu der betreffenden Pensionskasse vor dem 01.01.2005 erfolgte. In diesem Fall ist die Auszahlung steuerfrei (Lebensversicherungsprivileg).


Der steuerpflichtige Zinsanteil unterliegt der Abgeltungsteuer von ca. 26,4% (ohne Kirchensteuer).


Das gilt nicht, wenn die Auszahlung nach Vollendung des 60. Lebensjahres erfolgte und die Auszahlung erst nach mindestens 12 Jahren nach dem Vertragsabschluss vorgenommen wurde. In diesem Fall ist nur die Hälfte des Zinsanteils zu besteuern. Dann aber mit dem regulären Einkommensteuersatz.



In der Einkommensteuererklärung sind Vorabbezüge aus dem Überobligatorium in der Anlage Kap, in Zeile 15, Kennzahl 34 zu erfassen.



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