• Carsten Reineke

Steuerrisiken beim Umzug in die Schweiz

Aktualisiert: 9. Aug 2019




Beim Umzug ins Ausland, z.B. in die Schweiz, entstehen verschiedene steuerliche Risiken. Die aus meiner Sicht wichtigsten drei, möchte ich im Folgenden kurz erläutern.


Steuerliche Risiken bestehen beim Umzug in die Schweiz insbesondere, wenn:


  • weiterhin noch Einkünfte aus Deutschland erzielt werden


  • neben der steuerlichen Ansässigkeit in der Schweiz noch einen Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland besteht


  • zum Zeitpunkt das Umzugs Anteile von einem Prozent oder mehr an einer Kapitalgesellschaft bestehen



I. Besteuerung bei Umzug In die Schweiz und Einkünften aus Deutschland




Hierfür gibt es speziell im Doppelbesteuerungsabkommen mit der Schweiz eine Sonderreglung.


Bei einer Ansässigkeit in der Schweiz sieht das Abkommen für die meisten Einkünfte eine Freistellung von der deutschen Steuer vor.


Dies gilt aber nicht im Jahr des Wegzuges und den folgenden 5 Jahren, wenn der Steuerpflichtige mindestens 5 Jahre in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig war.


Die 5 Jahre müssen aber kein zusammenhängender Zeitraum gewesen sein, sondern werden grundsätzlich von Geburt an zusammengerechnet.


Diese Einkünfte werden dann nach den deutschen Vorschriften ohne Berücksichtigung des DBAs besteuert. In der Schweiz wird meist ebenfalls eine Besteuerung erfolgen. Deutschland rechnet allerdings die Schweizer Steuer grundsätzlich auf die deutsche Steuer an.


Zu dieser Regelung gibt es einige Ausnahmen:


  • Sie gilt nicht für schweizer Staatsbürger. Wird der Wegzügler innerhalb der First, also im Wegzugsjahr und den folgenden 5 Jahren, schweizer Staatsbürger, wird die Bestimmung ab diesem Zeitpunkt nicht mehr angewendet.

  • Die Regelung gilt auch nicht beim Umzug zur Aufnahme einer Arbeitnehmertätigkeit. Dies gilt auch, wenn der Arbeitnehmer dem Arbeitsverhältnis hinterherzieht, also bereits vor dem Umzug bei dem Arbeitgeber tätig war. Die Ausnahme wird aber nicht angewendet, wenn der Arbeitnehmer ein wesentliches wirtschaftliches Interesse am Arbeitgeber, abgesehen vom Arbeitsverhältnis besteht, z.B. also die Tätigkeit an einer schweizer GmbH, an der der Arbeitnehmer mehrheitlich beteiligt ist.

  • Außerdem wird die Bestimmung bei einem Umzug im zeitlichen Zusammenhang mit der Heirat mit einem Schweizer Staatsbürger nicht angewendet. Ein zeitlicher Zusammenhang besteht innerhalb eines Zeitraums von 6 Monaten.

Zum Schluss noch ein Bespiel:


Herr A ist italienischer Staatsbürger und hat in seiner Kindheit (bis zum 18. Lebensjahr) in Deutschland gelebt, danach zog er nach Italien.


Ab dem 01.07.2019 wohnte er (wieder) in Deutschland und arbeitet als Angestellter bei einem deutschen Arbeitgeber

in Konstanz.

Am 31.07.2019 zog Herr A zu seiner Lebensgefährtin in die Schweiz nach Kreuzlingen und pendelt arbeitstäglich zu seinem Arbeitgeber.


Am 31.05.2020 heiratet er seine Lebensgefährtin, die schweizer Staatsbürger ist.


Ohne die Wegzugsregelung des DBA wäre Herr A nach seinem Umzug Grenzgänger aus der Schweiz nach Deutschland.


Deutschland dürfte höchstens eine Steuer von 4,5% erheben.


Die Schweiz könnte die Einkünfte aus der nicht selbständigen Tätigkeit besteuern und würde, um die bereits erfolgte Besteuerung in Deutschland zu berücksichtigen, nur 80% der Einkünfte (nach schweizer Recht) besteuern.


Weil Herr A aber:


  • Insgesamt mehr als 5 Jahre in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig war,

  • kein schweizer Staatsbürger ist,

  • nicht zur Aufnahme einer unselbständigen Tätigkeit in die Schweiz zog und

  • seine Heirat nicht im zeitlichen Zusammenhang von 6 Monaten mit dem Umzug stand,


unterliegt seine Tätigkeit im Umzugsjahr und in den 5 Folgejahren in Deutschland der vollen Besteuerung.


In der Schweiz unterliegt er als dort Ansässiger ebenfalls der vollen der Besteuerung.


Die schweizer Steuer wird aber auf die deutsche Steuer angerechnet.



II. Neben der steuerlichen Ansässigkeit in der Schweiz besteht noch einen Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland ( überdachende Besteuerung)




Die überdachende Besteuerung (Art. 4 Abs. 3 DBA), kann dann eintreten, wenn man nach dem Wegzug noch eine Wohnung oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat.


Nach deutschem Recht ohne Berücksichtigung des DBAs unterliegen unbeschränkt Steuerpflichtige mit Ihren weltweiten Einkünfte in Deutschland der Einkommensteuer.


Unbeschränkte Steuerpflicht besteht bei:


 Wohnsitz oder

 gewöhnlichen Aufenthalt


in Deutschland.


Einen Wohnsitz hat jemand dort, wo er eine Wohnung unter Umständen innehat, die darauf schließen lassen, dass er die Wohnung beibehalten und benutzen wird.

Den gewöhnlichen Aufenthalt hat jemand dort, wo er sich unter Umständen aufhält, die erkennen lassen, dass er an diesem Ort oder in diesem Gebiet nicht nur vorübergehend verweilt.


Als gewöhnlicher Aufenthalt gilt aber immer ein zeitlich zusammenhängender Aufenthalt von mehr als sechs Monaten; kurzfristige Unterbrechungen bleiben dabei unberücksichtigt. Dies gilt aber nicht, wenn der Aufenthalt ausschließlich zu Besuchs-, Erholungs-, Kur- oder ähnlichen privaten Zwecken erfolgt und nicht länger als ein Jahr dauert.


Nach dem Doppelbesteuerungsabkommen hat entweder der Ansässigkeitsstaat oder der Staat aus dem die Einkünfte stammen das Besteuerungsrecht.


Teilweise können auch beide Staaten ein teilweises Besteuerungsrecht haben, z.B. bei der Grenzgängerregelung (Art. 15a DBA), bei der der Saat aus dem die Einkünfte stammen eine Steuer von höchstens 4,5% erheben darf besteuern darf und der Ansässigkeitsstaat voll besteuern darf und die 4,5% anrechnet.


Ansässig ist jemand, wenn er in einem der Staaten unbeschränkt steuerpflichtig ist.


Wenn er in beiden Staaten unbeschränkt steuerpflichtig ist, dann ist er in dem Staat ansässig in dem er eine ständige Wohnstätte hat.



Wenn in beiden Staaten eine ständige Wohnstätte hat, dann dort, wo er den Mittelpunkt der Lebensinteressen hat.


Kann dies nicht bestimmt werden, dann dort wo er einen gewöhnlichen Aufenthalt hat.


Hat er in beiden Staaten oder keinen Staat einen gewöhnlichen Aufenthalt, dann in dem Staat dessen Staatsangehörigkeit er hat.


Ist jemand dann in der Schweiz ansässig, hätte die Schweiz z.B. das Besteuerungsrecht für Einkünfte aus der Tätigkeit als Grenzgänger nach Deutschland (Art. 15a DBA)


 außer bei der „Wegzugsbesteuerung DBA, die wir in unserem anderen Video besprochen haben


Sowie bei Einkünften aus Drittstaaten. Also Einkünften die nicht aus Deutschland oder der Schweiz stammen (Art. 21 DBA).


Die überdachende Besteuerung sieht dann aber vor, dass solange auch eine ständige Wohnstätte oder ein gewöhnlicher Aufenthalt von mindestens 6 Monaten in Deutschland besteht, trotz Ansässigkeit in der Schweiz, Deutschland das Besteuerungsrecht hat.


Das gilt aber z.B. nicht für Einkünfte einer Betriebsstätte oder festen Einrichtung in der Schweiz, unter bestimmten weiteren Bedingungen für Dividenden und für Gehälter und Löhne, wenn die Tätigkeit in der Schweiz ausgeübt wird und diese Einkünfte aus der Schweiz stammen.


Hierzu noch ein Beispiel:


Frau B ist aus Deutschland nach Zürich (Schweiz) gezogen und hat dort nach einen Monat einen Schweizer geheiratet.


Sie hat im Haus Ihrer Eltern in Konstanz (Deutschland) noch eine Wohnung, die Sie regelmäßig nutzt.


Sie arbeitet in Deutschland und pendelt grundsätzlich täglich.

Außerdem hat Sie eine Wohnung in Spanien, die Sie vermietet.


Ohne die überdachende Besteuerung würden die Einkünfte von Frau B nur der Besteuerung in der Schweiz unterliegen.


Da Frau B aber noch eine Wohnung (ständige Wohnstätte) in Deutschland hat, werden Ihre Einkünfte in der Schweiz, unter Berücksichtigung des Schweizer Abkommens mit Spanien, und in Deutschland besteuert. Die schweizer Steuer kann grundsätzlich auf die deutsche Steuer angerechnet werden.



III. Zum Zeitpunkt das Umzugs liegt eine Beteiligung von einem Prozent oder mehr an einer Kapitalgesellschaft bestehen



Die Wegzugsbesteuerung nach dem deutschen Aussensteuergesetz kann bei Anteilen an Kapitalgesellschaften ab 1% entstehen.


Warum gibt es diese Vorschrift?


Die meisten Doppelbesteuerungsabkommen, z.B. das DBA Schweiz, sehen vor, dass der Ansässigkeitsstaat das Besteuerungsrecht an Gewinnen aus der Veräußerung von Anteilen an Kapitalgesellschaften hat.

Nach einem Wegzug aus Deutschland könnten Gewinne aus dem Verkauf von Anteilen nicht mehr in Deutschland besteuert werden.


Um trotzdem bei einem Umzug ins Ausland eine Besteuerung in Deutschland zu ermöglichen, wird einfach ein Verkauf beim Wegzug unterstellt.


Diese Besteuerung erfolgt, bei Beteiligung an Kapitalgesellschaft von mindestens 1% in den letzten 5 Jahren vor dem Wegzug und wenn der Steuerpflichtige mindestens 10 Jahre in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig war. Dies muss nur irgendwann im Leben und nicht während eines zusammenhängenden Zeitraums der Fall gewesen sein.

Die unbeschränkte Steuerpflicht muss durch den Wegzug geendet haben.

Dies gilt für alle Anteile an Kapitalgesellschaften, nicht nur an deutschen Kapitalgesellschaften.


Es gibt natürlich auch Ausnahmen von dieser Regelung:


Beim Umzug in nicht EU-Staaten ist auf Antrag eine Stundung der Steuer möglich. Stundung heißt aber nicht, dass keine Zahlungen erfolgen müssen.


Ist die Abwesenheit voraussichtlich nicht nur vorübergehend, werden grundsätzlich Tilgungen festgesetzt.


Die Stundung erfolgt grundsätzlich nur gegen Sicherheitsleistung.


Voraussetzung für die Stundungen ist, dass Rückzugsabsicht schon muss bei Umzug vorliegen muss. Der Rückzug soll innerhalb von 5 Jahren erfolgen. Eine Verlängerung auf 10 Jahre ist aber möglich, wenn die längere Abwesenheit berufliche Gründe hatte und eine Rückkehr weiterhin beabsichtigt ist.


Erfolgt aber z.B. ein Verkauf der Anteile, entfällt die Stundung.


Bei einem Wegzug in EU oder EWR-Staaten erfolgt eine Stundung ohne Tilgungen, unverzinslich und zeitlich unbeschränkt.


Diese Stundung entfällt z.B. aber bei Verkauf der Anteile und beim Umzug ins Drittland.


Die Schweiz ist weder EU noch EWR-Staat, aber der EUGH hat entschieden, dann aufgrund des Freizügigkeitsabkommens mit der EU, für einen Umzug in die Schweiz die gleichen Regelungen wie für den Umzug in einen EU oder EWR-Staat gelten müssen.


Ein Beispiel zu diesem Fall;


Herr A hat in seiner Kindheit bis zum 18. Lebensjahr in Deutschland gelebt, danach zog er nach Hong Kong. Er ist an einer Limited (Kapitalgesellschaft) in Hong Kong zu 15% beteiligt.


Ab dem 01.07.2019 wohnte er (wieder) in Deutschland

Am 31.07.2019 zog Herr A in die Schweiz. Er beabsichtigt nicht innerhalb der nächsten 5 Jahre nach Deutschland zurückzukehren.


Am 01.01.2020 verkauft er seine Anteile an der Limited.


Könnte Herr A sich nicht auf das Urteil des EUGHs berufen, müsste er den fiktiven Veräußerungsgewinn aus seiner Beteiligung in Deutschland im Jahr 2019 versteuern. Stattdessen hat er aber Anspruch auf eine Stundung der Steuer.


Die Stundung entfällt allerdings mit Verkauf der Anteile, so dass dann eine Besteuerung in Deutschland erfolgt.



Zum Schluss noch eine Anmerkung: Wenn schon beim Wegzug aus dem Ausland, im Wegzugsstaat, eine Wegzugsbesteuerung vorgenommen, kann der dabei angenommene Wert in Deutschland anstelle der Anschaffungskosten angesetzt.



Natürlich gibt es auch noch weitere steuerliche Risiken, die beim Wegzug auftreten können aber diese drei sind die aus meiner Sicht häufigsten.


Ich hoffe dieser Beiträge verhindert ein paar steuerliche Probleme.





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