• Carsten Reineke

unbeschränkte Steuerpflicht auf Antrag

Aktualisiert: 13. Dez 2019


Hallo und willkommen,


heute geht es um die unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland auf Antrag (§ 1 Abs. 3 EStG), welche Voraussetzungen hierfür gelten und warum sich jemand vielleicht freiwillig als unbeschränkt steuerpflichtig in Deutschland behandeln lassen will.


Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht

Warum und wie?


Die Vorteile einer freiwilligen unbeschränkten Steuerpflicht bestehen insbesondere dann, wenn in Deutschland Einkünfte bestehen, die auch im Rahmen einer beschränkten Steuerpflicht steuerpflichtig sind, z.B. Einkünfte aus der Vermietung von Immobilien in Deutschland sind. Bei unbeschränkt Steuerpflichtigen bestehen gegenüber einer beschränkten Steuerpflicht besonders die folgenden Vorteile:


• Der Grundfreibetrag wird bei der Steuerberechnung abgezogen (2019: EUR 9.168) • Vorsorgeaufwendungen werden berücksichtigt

• Außergewöhnlichen Belastungen können berücksichtigt werden

• Es besteht ein Kindergeldanspruch


Die Voraussetzungen für die unbeschränkte Steuerpflicht sind:


Die ausländischen Einkünfte, die nicht der deutschen Besteuerung unterliegen betragen nicht mehr als 10% der gesamten Einkünfte oder sie liegen unter dem Grundfreibetrag (2019: EUR 9.168).


Dieser Betrag ist ggf. entsprechend der Verhältnisse im Wohnsitzstaat zu kürzen Es muss eine Bescheinigung der zuständigen ausländischen Steuerbehörde über die Höhe der ausländischen Einkünfte vorgelegt werden (Bescheinigung EU / EWR - deutsch) (Bescheinigung EU / EWR - englisch)


Hierzu noch ein paar Anmeldungen:


Die ausländischen Einkünfte, die nicht der deutschen Steuer unterliegen, wirken sich meist auf den Steuersatz der in Deutschland steuerpflichtigen Einkünfte aus (Progressionsvorbehalt).


Wenn die ausländischen Einkünfte in der Nähe des Grundfreibetrags liegen, besteht daher kaum noch ein steuerlicher Vorteil.


Bei der unbeschränkten Steuerpflicht auf Antrag entsteht keine Kirchensteuerpflicht, da hierfür ein Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt erforderlich ist.


Auch für die Ehegattenveranlagung (Splittingverfahren) und für die Berücksichtigung von Unterhaltsleistungen an den geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Ehegatten, gibt es Regelungen bei einer unbeschränkten Steuerpflicht auf Antrag.


Unterhaltszahlungen ins Ausland


Um die Unterhaltszahlungen an den geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Ehegatten im Ausland berücksichtigen zu können müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:


Der zahlender (unbeschränkt Steuerpflichtiger) muss Staatsangehöriger eines EU / EWR Staat sein Der Empfänger muss seinen Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt in einem EU / EWR Staat oder der Schweiz - EUGH C-425/11 (Ettwein) – haben.


Die Besteuerung im andren Staat durch den Empfänger muss nachgewiesen werden.


Ehegattenveranlagung bei Ehegatten im Ausland


Für die Ehegattenveranlagung gelten diese Voraussetzungen:


Der Antragsteller (unbeschränkt Steuerpflichtiger) muss Staatsangehöriger eines EU / EWR Staat sein. Der Ehegatten muss seinen Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt in einem EU / EWR Staat oder der Schweiz - EUGH C-425/11 (Ettwein) – haben.


Beide Ehegatten zusammen erfüllen ebenfalls die Voraussetzungen für die unbeschränkte Steuerpflicht auf Antrag.


Die nicht der deutschen Steuer unterliegende ausländische Einkünfte betragen nicht mehr als 10% der gesamten Einkünfte oder liegen unter dem (verdoppelten) Grundfreibetrag (2019: EUR 18.336).


Die unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland kann also auch Vorteile haben, so dass sich ein Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht lohnen kann.


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