• Carsten Reineke

Update: Zeitweise Absenkung der Umsatzsteuer - Anwendung

Aktualisiert: Juli 1




Hallo und guten Tag,


der allgemeine Umsatzsteuersatz wir von Juli bis Dezember 2020 von 19% auf 16% abgesenkt, der ermäßigte Satz von 7% auf 5%.

Das Bundesfinanzministerium hat jetzt einen Entwurf des Gesetzes und eines Schreibens mit den Details der Anwendung veröffentlicht.

Gesetz (§ 28 UStG): https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Gesetzestexte/Gesetze_Gesetzesvorhaben/Abteilungen/Abteilung_IV/19_Legislaturperiode/Gesetze_Verordnungen/2020-06-12-Zweites-Corona-Steuerhilfegesetz/2-Regierungsentwurf.pdf?__blob=publicationFile&v=3

BMW-Schreiben (neuer Entwurf):

https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Steuerarten/Umsatzsteuer/2020-06-26-befristete-Senkung-umsatzsteuer-juli-2020-zweite-aktualisierung.pdf;jsessionid=3D88FD8E5A90FA1A77891B3A4446651F.delivery2-replication?__blob=publicationFile&v=3

Entscheiden für die Anwendung des abgesenkten Umsatzsteuersatz soll der Zeitpunkt der Ausführung des Umsatzes sein.

Die Umsätze gelten als ausgeführt:

  • Lieferungen mit Warenbewegung, wenn die Beförderung oder Versendung beginnt.

  • Lieferungen ohne Warenbewegung, bei Übergang der Verfügungsmacht.


  • Dienstleistungen grundsätzlich mir Abschluss der Leistung.

  • Werklieferungen grundsätzlich mit Fertigstellung (und ggf. nach Abnahme).

  • Liegen wirtschaftlich abgrenzbare Teilleistungen vor kann zwischen vor und nach dem Übergangszeitpunkt erbrachten Teilleistungen unterschieden werden.

  • Bei Dauerleistungen, z.B. Vermietungen, kommt es bei Dienstleistungen auf den Tag an dem der vereinbarte Leistungszeitraum endet, z.B. Monatsende bei Monatsmiete und bei Lieferungen wie Strom, Gas auf den Tag der Ablesung.

Beispiele:

Zahlung im Juni und Lieferung im Juli

Ein Kunde bestellt eine Ware (Regelsteuersatz) am 26.06.2020, die Zahlung geht am 27.06.2020 ein, der Verkäufer versendet die Ware am 01.07.2020.

Es gilt der abgesenkte Regelsteuersatz von 16%, da die Lieferung am 01.07. ausgeführt wurde. Da die Zahlung bereits im Juni erfolgte ist der Umsatz in der USt-Voranmeldung Juni 2020 zu melden.

Zahlung im Juli und Lieferung im Juni

Ein Kunde bestellt eine Ware (Regelsteuersatz) am 26.06.2020 auf Rechnung. Der Verkäufer versendet die Ware im Juni. Der Zahlung geht am 01.07.2020 ein.

Die Lieferungen unterliegt dem Umsatzsteuersatz von 19%, weil die Lieferung im Juni erfolgte.

Bei der Besteuerung nach vereinbarten Entgelten (Regelfall) muss die Lieferung in der Voranmeldung für Juni erklärt werden.

Bei der Besteuerung nach vereinnahmten Entgelten muss die Lieferung erst in die Voranmeldung für Juli aufgenommen werden.

Dienstleistungen bei über den Absenkungszeitraum hinausgehender Laufzeit


Ein IT-Berater vereinbart schließt mit einem Kunden einen Wartungsvertrag für ein Jahr gegen ein Jahreshonorar vom 01.01. bis zum 31.12.2020 ab.

Diese sonstige Leistung unterliegt dann insgesamt dem Steuersatz von 16%.

Anders wäre es z.B. bei einem Jahresvertrag gegen ein Jahreshonorar, der vom 01.03.2020 bis zum 28.02.2021 gilt. Dieser Vertrag sollte dann insgesamt dem Umsatzsteuersatz von 19% unterliegen (weil die Leistung erst nach dem Absenkungszeitraum beendet wird). Werden aber monatlich Beiträge geleistet, soll wieder der einzelne Monat entscheidend sein.

Nach dem Entwurf des BMF-Schreibens soll es aber möglich sein, vor dem 01.07.2020 Teilleistungen zu vereinbaren, z.B. bis zum 31.12.2020, und entsprechende Rechnungen oder Rechnungskorrekturen (z.B. mit Ausweis des Entgelts und der Umsatzsteuer bis zum 31.12.) auszustellen.

Werklieferungen über die über den Absenkungszeitraum hinausgehen


Liegen abgrenzbare Teilleistungen, z.B. bei Werklieferungen, für die bisher keine gesonderte Abrechnung vereinbart wurde, sollen vor dem 01.07.2020 vereinbarte Änderungen anerkannt werden.

Erfassung in der Voranmeldung und Jahreserklärung

Die Umsätze zum herabgesetzten Steuersatz sollen in der Zeile 28 der Voranmeldung und die innergemeinschaftlichen Erwerbe in Zeile 35 der Voranmeldung erklärt werden.


In der Jahreserklärung sollen die Umsätze in Zeile 45 und die innergemeinschaftlichen Erwerbe in Zeile 84 angegeben werden.


Folgen einer falschen Rechnung


Folgen eines falschen Umsatzsteuerausweis:

  • Zu hoher Umsatzsteuerausweis in einer Rechnung, z.B. 19% bei einer Lieferung im August 2020.

Der Verkäufer schuldet die in Rechnung gestellte Umsatzsteuer. Ist der Käufer zum Vorsteuerabzug berichtigt kann er aber nur einen Abzug in Höhe von 16% des (netto) Entgelts vornehmen.


Ausnahme:


Bei Rechnungen an andere Unternehmer wird es nicht beanstandet, wenn für Leistungen, die bis zum 31. July 2020 erbracht, werde noch der (falsche) alte Umsatzsteuersatz von 19% bzw. 7% ausgewiesen wird.


Der Rechnungsempfänger kann diese Umsatzsteuer in voller Höhe als Vorsteuer geltend machen.

  • Zu niedriger Umsatzsteuerausweis, z.B. 16% bei Rechnungstellung im August für eine im Mai 2020 ausgeführte Dienstleistung.

Der Rechnungsaussteller (Unternehmer) muss die höhere Umsatzsteuer abführen, z.B. bei 19 % USt gilt der Rechnungsbetrag dann als 119%. Der Rechnungsempfänger kann aber nur die ausgewiesene Umsatzsteuer als Vorsteuer geltend machen

In beiden Fällen können die Rechnungen aber berichtigt werden.



Teilrechnungen die vor der Absenkung ausgestellt wurden


Bei Teil- oder Anzahlungen soll es ausreichen, wenn in einer Endrechnung die (jetzt) korrekte Umsatzsteuer für die gesamte Leistung oder die Teilleistung ausgewiesen wird.

Wie man bereits aus den einfachen Beispielen sieht wird die zeitweise Absenkung der Umsatzsteuersätze zu viel zusätzlicher Arbeit und einigen Problemen in der Umsetzung führen.



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